02. November 2017 Annett Börner

Will-kommens-kultur

Ein Mensch in Not steht vor meiner Tür – schwarz ist seine Haut. Fast wäre er ertrunken, sah andere untergehen, seine Familie in Not und Elend blieb zurück im fernen Land.

Ich schlage dem Fremden die Tür vor der Nase zu – mir doch egal...

Bequem in meiner warmen Wohnung schaue ich fern,

löffle meinen Joghurt, genieße Schokolade, eine Banane, trinke Sekt –

will dem alltäglichen Hamsterrad entfliehen...

Was aus dem Fremden wird? - Mir doch egal...

Soll er doch dahin zurückgehen, woher er kam!

Er hat dort keinen Schlafplatz in seinem Land? - Mir doch egal...

Soll er doch arbeiten gehen!

Er hat eine Frau und hungernde Kinder? - Mir doch egal...

Noch nie was von Verhütung gehört?

Seine Frau fühlt sich ohne ihn allein und kann die tägliche Last nicht mehr tragen? -

Mir doch egal... Wäre er doch bei ihr geblieben!

Das Trinkwasser in seinem Land ist verschmutzt?

Mir doch egal... Hätte er doch einen Brunnen gebaut!

Auf seinem Weg hierher durchquerte er viele Länder, erlitt Folter?

Mir doch egal... Wäre er doch dort geblieben, woher er kam!

Ich wische die Gedanken weg – will meine Ruhe haben.

Der Schwarze wird schon irgendwo hingeh´n.

Noch nicht mal Krieg ist in seinem Land!

Kein Grund hier Asyl zu bekommen... – Na also, was will er noch hier?

Wohl auch noch von meinen Steuergeldern leben? Das geht ja wohl nicht!

Jetzt muss ich mich erstmal beruhigen...

Ich glaube in meinem Keller steht noch ein leckeres Getränk.

Das hol´ ich mir jetzt!

Ich steige die Treppe hinab. Doch ach, autsch, was ist das?

Ich kann mich nicht halten, verstauche mein Bein und stürze die Stufen hinab...

Der Boden ist hart – oh, das tut so weh...

Ich kann nicht aufstehen und habe mein Smartphone nicht dabei.

„Hilfe, Hilfe!“ - Mein Rufen hilft nichts.

Ich bin allein! In meinem Haus lebt keiner außer mir...

Eine weitere Wohnung hier steht leer...

Wer hilft mir denn jetzt?

Kommt denn endlich mal einer?

Ich rufe laut, damit es aus dem Kellerfenster auf die Straße schallt.

Passanten gehen draußen vorbei, ich höre sie sagen:

„Da ruft doch einer... - Uns doch egal!“

Hey Leute – kommt denn mal einer, der mir jetzt hilft?!

Wo sind sie geblieben: Eure Hilfsbereitschaft, Eure Menschlichkeit, Eure SOLIDARITÄT?!

Kategorien: DIE LINKE vor Ort, Flüchtlinge, Menschenrechte

Kommentare

Keine Kommentare zu diesem Beitrag

Hinterlassen Sie einen Kommentar